Autor Thema: UEFI-Installation auf Acer ES11-Serie  (Gelesen 525 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Pig of Destiny

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 1383
  • Dankeschön: 125 mal
  • Desktop: Xfce
  • Grafikkarte: Intel Graphics
  • Grafikkartentreiber: free
  • Kernel: 4.16
  • Prozessor: Intel Celeron N3350
  • Skill: Durchschnitt
  • Zweig: Arch Linux
UEFI-Installation auf Acer ES11-Serie
« am: 28. März 2018, 12:51:08 »
Moin,

ich habe mich nun schon länger nicht mehr zu Wort gemeldet, da ich eigentlich Arch nutze. Auf meinem Netbook Acer ES1-132-C0VW mit 32GB eMMC Festplatte wollte ich jetzt aber Windows los werden und Manjaro installieren, um mir die doch recht umfangreiche Konfiguration von Arch zu ersparen.
Dabei gab es einige Schwierigkeiten. Ich hoffe mit der nun folgenden Beschreibung vielleicht dem ein oder andern der die gleichen Probleme hat etwas Zeit ersparen zu können.

Zunächst habe ich die neueste Manjar-Xfce-ISO runtergeladen und einen bootbaren USB-Stick erstellt. Danach Secure Boot deaktiviert und vom USB-Stick gebootet.
Ich bin kein Fan von GUI-Installern und wählte deshalb den Manjaro-Architect, der mir außerdem die Wahl einer minimalistischeren Installation gibt.
Hier ist das erste Problem aufgetreten. Der erste Installationsversuch schlug fehl mit einer Fehlermeldung, die auf eine nicht oder nicht richtig eingehängte root-Partition hindeutete. Bei der Überprüfung der Einhängepunkte stellte ich fest, dass diese tatsächlich auf /mnt/home statt /mnt eingehängt wurde. Auch bei dem erneuten Versuch mit Architect die Partition richtig zu mounten wurde sie wieder auf /mnt/home eingehängt. Folglich führte ich die Partitionierung, Formatierung und das Mounten noch mal manuell im Terminal durch. Daraufhin lief die Installation auch durch und als Bootloader hatte ich Grub installiert.

Beim ersten Neustart (ohne eingesteckten Live-USB-Stick) fingen die Probleme damit an mein UEFI zu überzeugen Manjaro zu booten.
Die erste Meldung die ich bekam war "No bootable Device". Eine Überprüfung im UEFI ergab, dass der Booteintrag für die neue Installation gar nicht vorhanden war. Im Internet liest man des Öfteren die Empfehlung unter Secure Boot zu starten und die fragliche .efi-Datei als trusted einzustufen. Diese Option bietet mir jedoch das (wohl durch Acer "optimierte") UEFI gar nicht an.

Also startete ich wieder vom USB-Stick und wählte die Suche nach bootbaren EFI-Files im Grub des USB-Sticks aus. Daraufhin wurde von der Festplatte anstandslos gebootet und ich konnte den Stick wieder entfernen und vom Rechner aus arbeiten.
Bei jedem Neustart bestand das Problem jedoch weiterhin und ich musste jedes Mal "fremdstarten".

Eine efibootmgr -v ergab einen Eintrag für für meine grub-EFI-File (Boot 0002). Jedoch war die Bootreihenfolge lediglich 0001, 2001, 2002, 2003. Wobei 0001 der USB-Stick, 2001 - 2003 die Standardeinträge für EDI USB, DVD und Network darstellten. Meine eigentliche Bootfile war also von der Bootreihenfolge ausgenommen.

Mit efibootmgr -o 0002,2001,2002,2003versuchte ich den Eintrag in die Bootreihenfolge zu übernehmen.
Ein Ausdruck von efibootmgr -v bestätigte eigentlich auch den Erfolg.
Beim nächsten Neustart bestand aber wieder genau das gleiche Problem.

Also experimentierte ich geraume Zeit mit dem efibootmgr. Wenn ich mit efibootmgr -n 0002 den nächsten Bootvorgang auf den richtigen Eintrag setzte funktionierte es und der PC bootete in Manjaro.

Jetzt könnte man hergehen und einen Service einrichten, der mir jedes Mal nach dem Start den Befehl efibootmgr -n 0002 ausführt. Das habe ich auch ausprobiert, es funktioniert aber nur solange der Live-USB-Stick, den ich ja zum Starten brauchte eingesteckt war. Wurde der Stick beim nächsten Bootvorgang nicht mehr gefunden hatte das wohl zur Folge, dass sich die Booteinträge änderten und mein geplanter Boot 0002 nicht mehr auf die Grub-EFI-File wies. Wenn man mal davon absieht, dass die Lösung mit dem systemd-Service sowieso recht schäbig war und nur dann funtioniert hätte, wenn ich jedes Mal nach Manjaro gebootet hätte ohne einen Live-USB-Stick o.ä. zwischenzeitlich zu verwenden, funktionierte sie auch einfach nicht.

Als nächstes bin ich darauf gestoßen: https://www.rodsbooks.com/efi-bootloaders/secureboot.html#initial_shim
und habe versucht meine Booteinträge und die Bootreihenfolge mittels Shim (Gebootet von einem rEFInd Live-USB-Stick) in der EFI-Shell zu ändern. Hier gab es die gleichen Probleme wie mit dem efibootmgr. Ich konnte zwar Änderungen machen, die wurden jedoch nach jedem Neustart verworfen. Auch das brachte also keinen Erfolg.

Diese Seite über den Umgang mit Secure Boot hat mich dann noch auf einige Ideen gebracht: https://www.rodsbooks.com/efi-bootloaders/secureboot.html

Mein nächster Versuch war daraufhin meine .efi-Datei als Windows Boot Manager zu "tarnen".
Insofern kopierte ich die Datei nach/boot/efi/EFI/Microsoft/Boot/bootmgfw.efiMan beachte, dass meine EFI-Bootpartition auf /boot/efi eingehängt ist. Sollte man sie woanders liegen haben müsste der Pfad natürlich entsprechend abgeändert werden.

Das Vorgehen wertete ich mal als Teilerfolg, denn immerhin tauchte jetzt der Microsoft Boot Loader im Bootmenü im UEFI auf. Der Rechner versuchte wohl auch den Bootloader zu laden, jedoch fror der Vorgang ein, erkennbar an einem nicht mehr blinkenden Curser in der linken oberen Bildschirmecke. Als nächstes signierte ich (obwohl ich mir keine Notwendigkeit dafür erklären konnte) einem Hinweis von der Seite rodsbook folgend meine Binärdateien um zu versuchen mit aktiviertem Secure Boot zu starten. Das endete aber lediglich in einem Secure Boot Fail.

Meine nächste Anlaufstelle war diese Arch-Linux-Wiki-Seite: https://wiki.archlinux.org/index.php/Acer_Aspire_E11_Series

Zumindest bestätigte die noch mal meinen Eindruck, dass es sich um eine sehr spezifisches Acer Problem zu handeln scheint und gab weitere Denkanstöße.

In der Folge installierte ich Windows noch mal um das UEFI zu aktualisieren (Hier sollte man auf keinen Fall die Installation des Updates abbrechen o.ä., da sonst das NVRAM unbrauchbar werden könnte). Nachdem ich es auf den neuesten Stand gebracht hatte installierte ich wieder Manjaro, diesmal über den Architect-Live-USB-Stick. Diesmal wählte ich rEFInd als Bootloader.

Auch hier war es wieder nötig meine .efi-Datei nach /boot/efi/EFI/Microsoft/Boot/bootmgfw.efi zu kopieren um sie als Microsoft Boot Loader erkennen zu lassen.

Und siehe da: Es funktionierte. Der Laptop bootet von nun an anstandslos in Manjaro. Im Anschluss habe ich dann rEFInd noch etwas schick gemacht um den Timeout zu verkürzen und den Einträg für Windows zu verbergen.

Kleine Randinfo: Ich hatte zum Testen die Prozeduren auch mal mit Linux Mint ausprobiert, in der Hoffnung vielleicht irgend eine Änderung durch andere Installationsroutinen o.ä. zu entdecken, jedoch ohne Erfolg. Es traten genau die gleichen Probleme auf.

Ich wage zu bezweifeln, dass die Updates des UEFI tatsächlich zur Lösung des Problems führten.
Mutmaßlich reicht es rEFInd zu verwenden und die EFI-File als Microsoft Boot Loader auszugeben.

Außerdem hat mich die ganze Situation dazu bewegt zu denken, dass hier Acer die UEFI-Firmware dahingehend modifiziert hat, dass auf dem Gerät nichts anderes als ein Microsoft Boot Loader erkannt wird. Ich würde mal soweit gehen, dass da Interessen und Auflagen von Microsoft dahinter stehen, ohne dafür Belege zu haben. An einen Bug in der Firmware kann ich nicht so recht glauben, da ich jetzt von Version 1.06 aus 2016 auf Version 1.19 aus März 2018 upgedated habe...

Auf jeden Fall hoffe ich, dass das irgend jemandem hilft, der mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat.


Viele Grüße,

PoD

Offline Pig of Destiny

  • Held Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 1383
  • Dankeschön: 125 mal
  • Desktop: Xfce
  • Grafikkarte: Intel Graphics
  • Grafikkartentreiber: free
  • Kernel: 4.16
  • Prozessor: Intel Celeron N3350
  • Skill: Durchschnitt
  • Zweig: Arch Linux
Re: UEFI-Installation auf Acer ES11-Serie
« Antwort #1 am: 29. März 2018, 11:29:31 »
Hi virtual-dev,

super, vielen Dank für den Tipp. Hatte von Anarchy Linux vorher noch nie was gehört. Ich werde es mir in jedem Fall ansehen. Aber mit meinem Netbook werde ich jetzt erst mal bei Manjaro bleiben   ;)

Schön zu sehen, dass hier noch einige bekannte Gesichter zu sehen sind.

Grüße,
PoD